Was ist für Finnland typisch?

Was ist für Finnland typisch?

Diese Frage kam in einem Gespräch auf. Ich habe lange überlegt und mir sind einige Sachen eingefallen bzw. aufgefallen, an die ich mich hier schnell gewöhnt habe, die jedoch in der Heimat selten oder gar nicht zu finden sind.

Ich möchte mal ein paar Sachen aufzählen, die mir aufgefallen sind:

  • Es gibt keine Hausbriefkasten. Die Wohnungen in den Häusern sind numeriert und im Hauseingang hängt ein Schild, auf dem die Namen der Bewohner mit den dazugehörigen Wohnungsnummern stehen. In den Eingangstüren der Wohnungen sind Briefschlitze auf denen die Namen und die Nummer der Wohnung stehen. Die Post und Werbung werden dort eingeworfen. Der Briefträger/in muss also noch Treppen steigen oder in moderneren Häusern mit dem Fahrstuhl in die jeweiligen Etagen. Die Klingel ist in der Tür eingebaut, unten am Eingang gibt es keine.
  • Vor den Häusern sind Bürsten aufgestellt, mit denen die Schuhe von grobem Schmutz oder Schnee gereinigt werden können.
  • Die Eingangstüren der Wohnungen sind Doppeltüren, die in entgegengesetzte Richtungen aufgemacht werden. So bleibt auch genügend Platz für die Post zwischen den Türen, zumindest für ein paar Tage.
  • Die Schlösser an der Wohnung schließen entgegengesetzt. (wir schließen zu, um in die Wohnung zu kommen). Die Schlüssel sehen aus wie Autoschlüssel.
  • Im Bad gibt es nur Duschen bzw. Sauna und Dusche – keine Badewannen. Die Duschen sind ohne Duschbecken, nur geflieste Böden. Das Wasser wird mit einem Abzieher, den wir zum Fensterreinigen benutzen, zusammen geschoben und kommt so in den Abfluß.
  • Seltsame Duschköpfe im Bad – Dusche und Brause neben der Toilette.
  • Es gibt Doppelfenster, die man geteilt öffnen kann, da zwischen den Fensterscheiben Jalousetten angebracht sind. Diese lassen sich über einen Mechanismus von außen benutzen, ohne die Doppelfenster öffnen zu müssen.
  • In den Küchen sind über der Spüle in dem Hängeschrank Abtropfregale anstelle von Brettern integriert. Das Geschirr, dass abgewaschen wird, kommt in die Regale. Ein zweites Spülbecken ist unüblich. Diese Regale gibt es immer, auch wenn es Geschirrspülmaschinen gibt.
  • Zum Mittagessen wird Milch getrunken. In den Kantinen ist Milch zum Essen kostenfrei. In Restaurants gibt es Leitungswasser kostenfrei. Das Wasser hat eine hervorragende Qualität und schmeckt super!
  • Alte Menschen benutzen Rollatoren, mit denen sie „Rollern“ und so flott unterwegs sind. In den Kaufhäusern gibt es Einkaufswagen, die wie Rollatoren aussehen.
  • Man trifft hier überall Menschen in Sportsachen die schnell gehen oder mit Stöcken walken. Sportsachen sind hier der alltägliche Look.
  • Alte amerikanische Autos werden geliebt und fahren hier überall herum.
  • Lebensmittel, die lose verkauft werden, werden in Volumen gemessen und nicht in Masse. Man kauft also z.B. 3 Liter Kartoffeln.
  • Es gibt in den Geschäften maximal Bier zu kaufen, jedoch keinen Wein/Sekt oder hochprozentige Getränke. Der Alkoholgehalt wird numeriert: z.B. 4,5% Bier ist III. Schnaps und Wein kauft man in separaten Läden, die z.B.  „Alko“ heißen. Die Preise für Alkohol sind sehr hoch.
  • In den Kaufhäusern und Discountern sind immer Spielautomaten aufgestellt, die von allen Altersklassen genutzt werden. Dort wird sich sogar schon mal angestellt und es gibt Terminals zum Zahlen mit Karte. Und für kleine Kinder gibt es extra Automaten.
  • In der Nähe der Wohnhäuser gibt es immer Gestelle, die zum Reinigen von Teppichen genutzt werden.
  • Man zieht überall Nummern in Geschäften, wo Dienstleistungen erbracht werden – z.B. in der Post, am Info Stand im Kaufhaus, im Telefonshop.
  • Salmiakki – hier geht nichts ohne Lakritz (definitiv mein Favorit) 🙂

Schnee und Eis(hockey)

Der erste Schnee und mein Eisfeeling

Der erste Schnee kam und ist nun schon wieder weg. Ich hoffe, dass er bald wieder hier zu sehen sein wird…ich erwarte den Schnee. 🙂 – Fräulein Vogel und ihr Gefühl für Schnee…
Am 21.11.2015 war der erste „weiße“ Tag hier in Rauma. Die Welt hatte sich in eine Schneedecke gehüllt und zeigte sich mir von einer neuen Seite. Es war so schön und wir haben uns gleich aufgemacht und einen Winterspaziergang mit „Stöckchen“ unternommen. Hier gibt es viele Gebiete, die extra zum Nordic Walking, Wandern und Skilanglauf vorbereitet sind. Die Wege sind gut ausgeschildert, gepflegt und man kann gefühlte Ewigkeiten durch den Wald laufen, ohne einen Menschen zu treffen. Ich genieße diese Ruhe sehr und freue mich immer auf unsere Ausflüge in die Natur.

Ich werde in der Bildergalerie ein paar Fotos einfügen.

Ein weiteres Highlight an diesem Tag war der Besuch eines Eishockeyspiels. Die Finnen sind ja bekanntlich mit Ski oder Eislaufschuhen an den Füßen geboren… 😉 und so ist Eishockey hier ein Volkssport. Rauma hat eine tolle Eissport-Areana mit allem, was das Herz begehrt. Es passen 5.400 Zuschauer rein, was bei einer Anzahl von 26.000 Einwohnern hier doch schon bemerkenswert ist. Die Halle war ausverkauft, da die LUKKO Rauma (die Rauma Füchse) gegen die Mannschaft aus Pori angetreten war. In der Liga war zu diesem Zeitpunkt Rauma auf Platz 4 und Pori auf dem 13. Tabellenrang. Da es auch zwischen Rauma und Pori kleinere Differenzen bezüglich der Schönheit der Stadt gibt – jeder behauptet, in der schöneren Stadt zu leben, trafen hier auch sehr viele Emotionen neben der sportlichen Partie aufeinander. Die Fans gaben ihr Bestes und unterstützten ihre Teams lautstark und mit Herzblut. Es herschte eine unglaublich spannungsgeladene Atmosphäre. Jeder wurde mitgerissen und konnte sich der aufkommenden Euphorie für seine Mannschaft nicht entziehen. Meine Sympathie galt den Lukkos (ich lebe ja im Moment hier – meine Art „Lokalpatriotismus“) und so fühlte ich mit, wenn es mal nicht so gut lief. Unglaublich, wie aufregend so ein Spiel sein kann.
Ich hatte mir vorher die Regeln des Spiels angeschaut. Schließlich wollte ich ja annähernd verstehen, was da so passieren würde. Es waren echt brutale Aktionen dabei… für den Fan wahrscheinlich alles viel zu zaghaft :-).
Fazit ist, dass wir sicherlich wieder einmal ein Spiel besuchen werden. Auch wenn die Lukkos an diesem Abend nach einem Stand von 3:3 in der Entscheidung das Spiel mit 3:4 verloren hatten. Die Entscheidung nach dem Unentschieden nennt man Penaltyschießen, wie bestimmt einige wissen – vergleichbar mit dem 11-Meter-Schiessen nach der Verlängerung im Fussball. In der Liga blieb Rauma auf Platz 4 in der Tabelle, jedoch konnte Pori auf den 11. Rang hochklettern. Glückwünsche an die Mannschaften!

Interessant für mich war, neben dem ganzen Drumherum, die Eismaschine. Nach jedem Spielteil wurde das Eis „abgezogen“ und damit wieder glatt gemacht. Und das, obwohl mehrmals zwischendurch mit Schneeschiebern von „Eisprinzessinnen“ das Gröbste zusammengeschoben wurde. Hat mich wirklich beeindruckt. In der Bildergalerie gibt es Fotos dazu. Sobald ich das kleine Video aufbereitet bekommen habe (wie kompliziert das alles ist – seufz), werde ich es veröffentlichen.

Interkulturelle Verständigung

Mein Englisch und die Finnen – eine schöne und kenntnisreiche Episode

Mein Finnisch ist rudimentär – ich würde nicht verhungern, aber ich könnte auch nicht gut leben. Hier kommt man sehr gut mit Englisch klar. Das schätze ich sehr und bin dankbar dafür.
Kennt Ihr das Gefühl, wenn einem plötzlich die Worte fehlen und man erklären muss, was man will? Folgendes ist mir passiert:

Auf der Suche nach einer Nähmaschine war ich in verschieden Geschäften unterwegs, um mich zu informieren. Ich hatte konkrete Vorstellungen, was meine neue Nähmaschine – Englisch Sewing Machine – können soll. In einem Elektrofachhandel stand ich nun und suchte die Abteilung, in der man Nähmaschinen anschauen kann. Ein junger Mann fragt mich auf Finnisch, ob er mir helfen kann. Ich antwortete Englisch, dass ich Hilfe möchte. Da das Wort „Sewing Machine“ exakt in diesem Augenblick aus meinem Kopf verschwand, formulierte ich folgendes: „I’m looking for a machine that makes this…“ Dabei zeigte ich auf die Naht an meiner Jacke. Er nickte, lächelte mich an und sagte:
„Ah, I know….tick tick tick…!“, dazu die Handbewegung der Nadel einer Nähmaschine. Ich nickte und wir beide kicherten. Er fragte seinen Kollegen, ob „Sewing Machines“ da wären. Plötzlich war das Wort wieder da!
Leider waren keine im Angebot. Wahrscheinlich hätte ich allein wegen dieser netten Geschichte dort gekauft. Er holte sofort sein Smartphone hervor und zeigt mir mit einem Routenplaner,  wie ich am einfachsten von dort aus zu einem Händler kommen kann, bei dem Maschinen im Angebot sind. Toll!

Diese Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit trifft man hier überall. Und so kommt man auch mit „magerem“ Englisch durch das Leben, wenn man Hände und Füße hat. 🙂

Patchwork

Mein erstes Patchwork mit meiner neuen Sewing Mashine