Urlaubszeit – Reisezeit!

Lappland – wir kommen!

Ich liebe Krimis! Zwei Bücher faszinierten mich, deren Inhalt von Lappland erzählt. Die Autorin, Klara Nordin, hatte in Ihren Büchern „Totenleuchten“ und „Septemberschuld“ spannende Kriminalgeschichten erzählt, die mit sehr vielen Informationen und Geschichten über das Leben in Lappland und das Leben der Samen mit Ihren Traditionen aufwarteten. Kurzum – ich war infiziert. Ein alter Freund hatte vor langer Zeit mal den Wunsch, nach Lappland in den Urlaub zu fahren. Ich war so überrascht das ich mich fragte, was gibt’s denn da zu sehen? Da ist doch nichts zu sehen! Heute kann ich darüber lachen, denn es sind gerade die Natur und die Menschen, die das Land so besonders und aufregend machen. Außerdem ist es ja nur noch ein „Katzensprung“ von Rauma aus nach Lappland. Wir haben geplant und uns überlegt, wie wir so viel wie möglich in relativ kurzer Zeit sehen können. Lappland ist eine Landschaft nördlich des Polarkreises. Die Abgrenzung ist unterschiedlich: Lappland verteilt sich über die Staaten Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Unser Ziel waren das schwedische und das finnische Lappland. Zum Erfühlen der Gegend zog es uns in das schwedische Lappland.
Wir starteten unsere Reise von Deutschland aus. Unsere Route führte über Dänemark nach Südschweden an die Westküste, dann durch Mittelschweden zur Ostküste, von dort weiter ins nordwestliche Landesinnere nach Jokkmokk und von dort zurück durch einen kleinen Teil der Finnmark nach Rauma. Eine Wahnsinns-Tour die uns tief und nachhaltig beeindruckt hat. Wir werden sicher wieder in diese Gegend fahren. Davon bin ich fest überzeugt!

Wir haben mehrere Etappenziele gehabt. Besonders beeindruckt hatten uns die Gegenden um Arvisjaur, Jokkmokk, Sundsvall, Umea und Oulu. Inzwischen habe ich hier noch ein paar Fotos von unserer Reise:

Was ist für Finnland typisch?

Was ist für Finnland typisch?

Diese Frage kam in einem Gespräch auf. Ich habe lange überlegt und mir sind einige Sachen eingefallen bzw. aufgefallen, an die ich mich hier schnell gewöhnt habe, die jedoch in der Heimat selten oder gar nicht zu finden sind.

Ich möchte mal ein paar Sachen aufzählen, die mir aufgefallen sind:

  • Es gibt keine Hausbriefkasten. Die Wohnungen in den Häusern sind numeriert und im Hauseingang hängt ein Schild, auf dem die Namen der Bewohner mit den dazugehörigen Wohnungsnummern stehen. In den Eingangstüren der Wohnungen sind Briefschlitze auf denen die Namen und die Nummer der Wohnung stehen. Die Post und Werbung werden dort eingeworfen. Der Briefträger/in muss also noch Treppen steigen oder in moderneren Häusern mit dem Fahrstuhl in die jeweiligen Etagen. Die Klingel ist in der Tür eingebaut, unten am Eingang gibt es keine.
  • Vor den Häusern sind Bürsten aufgestellt, mit denen die Schuhe von grobem Schmutz oder Schnee gereinigt werden können.
  • Die Eingangstüren der Wohnungen sind Doppeltüren, die in entgegengesetzte Richtungen aufgemacht werden. So bleibt auch genügend Platz für die Post zwischen den Türen, zumindest für ein paar Tage.
  • Die Schlösser an der Wohnung schließen entgegengesetzt. (wir schließen zu, um in die Wohnung zu kommen). Die Schlüssel sehen aus wie Autoschlüssel.
  • Im Bad gibt es nur Duschen bzw. Sauna und Dusche – keine Badewannen. Die Duschen sind ohne Duschbecken, nur geflieste Böden. Das Wasser wird mit einem Abzieher, den wir zum Fensterreinigen benutzen, zusammen geschoben und kommt so in den Abfluß.
  • Seltsame Duschköpfe im Bad – Dusche und Brause neben der Toilette.
  • Es gibt Doppelfenster, die man geteilt öffnen kann, da zwischen den Fensterscheiben Jalousetten angebracht sind. Diese lassen sich über einen Mechanismus von außen benutzen, ohne die Doppelfenster öffnen zu müssen.
  • In den Küchen sind über der Spüle in dem Hängeschrank Abtropfregale anstelle von Brettern integriert. Das Geschirr, dass abgewaschen wird, kommt in die Regale. Ein zweites Spülbecken ist unüblich. Diese Regale gibt es immer, auch wenn es Geschirrspülmaschinen gibt.
  • Zum Mittagessen wird Milch getrunken. In den Kantinen ist Milch zum Essen kostenfrei. In Restaurants gibt es Leitungswasser kostenfrei. Das Wasser hat eine hervorragende Qualität und schmeckt super!
  • Alte Menschen benutzen Rollatoren, mit denen sie „Rollern“ und so flott unterwegs sind. In den Kaufhäusern gibt es Einkaufswagen, die wie Rollatoren aussehen.
  • Man trifft hier überall Menschen in Sportsachen die schnell gehen oder mit Stöcken walken. Sportsachen sind hier der alltägliche Look.
  • Alte amerikanische Autos werden geliebt und fahren hier überall herum.
  • Lebensmittel, die lose verkauft werden, werden in Volumen gemessen und nicht in Masse. Man kauft also z.B. 3 Liter Kartoffeln.
  • Es gibt in den Geschäften maximal Bier zu kaufen, jedoch keinen Wein/Sekt oder hochprozentige Getränke. Der Alkoholgehalt wird numeriert: z.B. 4,5% Bier ist III. Schnaps und Wein kauft man in separaten Läden, die z.B.  „Alko“ heißen. Die Preise für Alkohol sind sehr hoch.
  • In den Kaufhäusern und Discountern sind immer Spielautomaten aufgestellt, die von allen Altersklassen genutzt werden. Dort wird sich sogar schon mal angestellt und es gibt Terminals zum Zahlen mit Karte. Und für kleine Kinder gibt es extra Automaten.
  • In der Nähe der Wohnhäuser gibt es immer Gestelle, die zum Reinigen von Teppichen genutzt werden.
  • Man zieht überall Nummern in Geschäften, wo Dienstleistungen erbracht werden – z.B. in der Post, am Info Stand im Kaufhaus, im Telefonshop.
  • Salmiakki – hier geht nichts ohne Lakritz (definitiv mein Favorit) 🙂

Unser Reisetagebuch – in vielen Teilen

Reisetagebuch – Teil 1

Was nimmt man mit, wenn man für eine längere Zeit in ein anders Land geht?

Diese Frage hatte ich mir oft gestellt. Ich hatte keine klaren Vorstellungen und wußte auch nicht, was mich erwarten würde. Mein Mann war schon in Finnland und wußte ungefähr, was wir brauchen könnten und was wir lieben werden. Schließlich weiß er ja sicher, was uns lieb und wichtig ist. Er hatte mir in Vorbereitung auf die Zeit zusätzlich Links zur Recherche im Internet empfohlen und so habe ich gelesen, wie das Wetter werden kann (wir sind ja mindestens einen Zyklus der 4 Jahreszeiten dort), wie man dort lebt und was es zu beachten gibt. Es hat mich wirklich sehr entspannt und so bin ich offen für alles in unser Abenteuer gestartet.

Mein erster Eindruck war, dass das Leben in Finnland viel entspannter und ruhiger sein wird als in Deutschland. Schließlich ist Rauma – ein relativ kleiner Ort an der Westküste, nur annähernd halb so groß wie Erlangen.

Wir haben uns keinen Stress gemacht und nur die Sachen auf eine Liste geschrieben, die wir dabei haben wollen. Diese Liste wurde über einen Zeitraum von 2 Wochen ständig überarbeitet. Posten wurden gestrichen und anderes ergänzt. Es war spannend zu erleben, was einem im Leben wichtig erscheint und auf was man verzichten kann und auch möchte. Nachdem das „was“ klar war, mussten wir festlegen, was wir „wie“ verpacken und für welchen Zeitpunkt der Reise, das „wann“ bestimmt wird. Der Termin der Ausreise war durch das Ticket für die Fähre definiert und die Spedition hatte sich zur Abholung der Sachen (50 Kartons) zu unserem Wunschtermin angemeldet. Die Reisezeit war auf 4 Tage begrenzt und danach folgt eine unbestimmte Zeit im Hotel. Die Wohnung in Finnland wird erst ausgewählt, besichtigt und dann bezogen. Gott sei Dank sind die Wohnungen möbliert, so dass es nicht gleich den Charakter einer Auswanderung annimmt. Erst danach können unsere Kartons mit unseren Sachen durch die Spedition an unsere vorübergehende Adresse nach Finnland geschickt werden. Diese wahrscheinlich 2 Wochen im Hotel waren die unsicherste Komponente in der Vorbereitung. Also – was benötige ich für 2 Tage in Lübeck. für 2 Tage auf der Fähre und für 2 Wochen im Hotel an notwendigen Sachen? Ich habe mich für den „Urlaubsmodus“ entschieden und so ging alles leichter von der Hand. Schließlich hatten wir ja erst im Mai 2 Wochen Urlaub – also genügend erlebte Erfahrung im Gepäck. Alles wurde entsprechend vorsortiert, verpackt und verstaut.(Allein das ist für eine Frau schon die erste und beinahe größte Herausforderung.) und dann ging es auf unsere große Fahrt. Garantiert wird es so sein, dass etwas im Karton verpackt ist, was seinen festen Platz im Koffer verdient hätte. Aber was soll werden, alles wird schon gut laufen. Wir ziehen ja in ein EU-Land. Was kann da schon passieren? Was fehlt, wird besorgt werden bzw. wir improvisieren.